WK | BIO-BIBLIOGRAPHIE

Kurze Biographie

Wolfgang Kaempfer wurde am 3. Januar 1923 in Weißenburg (Bayern) geboren. Seine Eltern waren der Schriftsteller und Übersetzer Hans Kaempfer und die Sängerin Lisa Kaempfer geb. Rupp. Er hatte zwei jüngere Schwestern. Seine Kindheit verbrachte er zuerst in Braunschweig im Haus seines Großvaters David Kaempfer, einem Physiker (Fachgebiet Optik und Photographie), dann in Berlin, wo sich die Familie 1934 ansiedelte. Dank gewisser Beziehungen gelang es der Familie, den Vornamen Cohn des Posener Urgroßvaters aus den Papieren zu tilgen. Ab 1941 erlebte Wolfgang Kaempfer den Krieg als Soldat. Nach 18-monatiger Gefangenschaft in Russland studierte er zuerst Natur-, dann Geisteswissenschaften an der Freien Universität (FU) Berlin und promovierte 1953 zum Dr. phil (Germanistik). Daraufhin war er als Dramaturg am Sender Freies Berlin (heute RBB) und beim Bühnenverlag Felix Bloch Erben tätig. Gleichzeitig arbeitete er an Romanprojekten und schrieb „Die Gartengesellschaft“, ein Hörspiel, das von Radio Bremen unter der Regie von Oswald Döpke produziert wurde. 1963 ging er zum Goethe-Institut und leitete die Institute von Algier, Toulouse und Triest. Zu dieser Zeit veröffentlichte er verschiedene Aufsätze in Literaturzeitschriften (u. a. Recherches germaniques) und eine sehr kritische Darstellung des Schriftstellers Ernst Jünger (1981). In den 1980er Jahren trat er in Verbindung mit der Gesellschaft für Historische Anthropologie (FU Berlin) und deren Mitbegründer Dietmar Kamper (†). Seine Arbeiten befassten sich seitdem zunehmend mit Problemen der Zeit, Geschichte, Ästhetik und Zivilisation, die zu den Hauptthemen seiner Buchveröffentlichungen gehören (s. u.), wenn auch seine originelle Zeittheorie den Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Beiträge bildete. Sein letztes Theorieprojekt, das aus Gesprächen mit seinem Freund, dem Berliner Philosophen Klaus Heinrich entstanden ist, sollte den „zivilisationsstiftenden“ Herakles als Amokläufer in Szene setzen. In den Jahren vor seinem Tod nahm jedoch die andere Leidenschaft überhand, die er schon seit seiner Jugend mit sich trug: Er arbeitete wieder an einem Roman, der leider Fragment bleiben sollte. Er verstarb am 29. Mai 2009 in Leezen und wurde auf dem Berliner Waldfriedhof Heerstraße (II-W1-47) beerdigt.

Wolfgang Kaempfer war viermal verheiratet. Mit seiner Frau Dorothee (geb. Schäfer) hatte er einen Sohn.

wolfgang-kaempfer

Bibliographie (Auswahl)

  • Das Ich und der Tod in Goethes Werther. In: Recherches germaniques. Strasbourg 1979.
  • Monographie Ernst Jünger. Metzler Verlag, Stuttgart 1981.
  • Hrsg. mit Claudio Magris: Problemi del Nihilismo. Milano 1983.
  • Zeitstau oder das Ende ohne Ende. In: Die sterbende Zeit. Darmstadt/Neuwied 1987.
  • Masochismus in der Literatur. In: Forum der Psychoanalyse. 1987, 3
  • Hrsg. mit H.A. Glaser: Maschinenmenschen, Frankfurt a.M./Bern/New York/Paris 1988.
  • Die Zeit und die Uhren. Mit einem Beitrag von Dietmar Kamper. Insel Verlag, Frankfurt a.M. 1991, ISBN 3-458-16207-0.
  • mit Friedrich Cramer: Die Natur der Schönheit. Insel Verlag, Frankfurt a.M. 1992.
  • Überlegungen zur Struktur der Zeit in manisch-depressiven Zuständen. In: Wahnwelten im Zusammenstoß. Die Psychose im Spiegel der Zeit. Berlin 1993.
  • Die Zeit der Malerei und der Raum der Musik. Zur Frage des Funktionstauschs von Auge und Ohr. In: Paragrana. Zeitschrift für historische Anthropologie II/93 H 1-2.
  • Zeit des Menschen: Das Doppelspiel der Zeit im Spektrum der menschlichen Erfahrung. Insel Verlag, Frankfurt a.M. 1994, ISBN 978-3-458-16619-1.
  • Das Gefängnis der Freiheit. Zur Pathologie von Bewusstseinsprozessen. In: Paragrana. VI/97 H 1.
  • Das Triebwerk des Bewusstseins. Jenseits von Bewusst und Unbewusst. In: Paragrana.‘ VII/98 H 1.
  • Le double jeu du temps. (Zeit des Menschen, ins Französische übersetzt von Stefan Kaempfer), L’Harmattan 1998, ISBN 2-7384-6393-2.
  • Die lautlose Explosion. Effekte der entfesselten Verkehrszeit. In: Zeitsprünge. Verlag Vorwerk 8, Berlin 1999.
  • Bilanz 2000 oder Die Unbeendbarkeit der Neuzeit. In: Paragrana. IX/2001 und Insel-Almanach. auf das Jahr 2000.
  • Zeitsturm. (Die mediterranen Zeitgespräche Dietmar Kampers mit Wolfgang Kaempfer), Tectum, 2004, ISBN 978-3-8288-8669-8.
  • Der stehende Sturm. (Zur Dynamik gesellschaftlicher Selbstauflösung), Kadmos, 2005 ISBN 978-3-931659-78-3.
  • Die unsichtbare Macht. (mit Beiträgen von W.K., Jacques Poulain, Dietmar Kamper, Slavoj Žižek), Sine Causa, 2005, ISBN 978-3-9810325-0-5.

kaempfer-buecherMetzler 1981, Insel 1991, 1992 und 1994, Tectum 2004, Kadmos 2005, Sine Causa 2005

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